Wie geht es eigentlich unserem Beruf und den Menschen die als Kfz-Mechatroniker in Werkstätten und Autohäusern arbeiten?

„Handwerk hat goldenen Boden“ – sagt man. Ich bin der Überzeugung, dass es ohne das Handwerk bzw. die Handwerker sehr schlecht um den Fortschritt und die dazu nötigen Infrastrukturen auf der Welt stehen würde.

Zunächst aber die Frage: Schätzen sich die Mechatroniker eigentlich noch selbst? Sehen sie ihren Beruf als etwas interessantes, etwas vielfältiges, etwas wichtiges, etwas herausforderndes oder gar als etwas tolles?

In meinen Augen ist dieser Beruf nämlich genau all das. Was man alles wissen muss um ein modernes Fahrzeug zu reparieren ist schon enorm. Die Komplexität eines modernen Autos ist für den interessierten Laien schier überwältigend und für den gestandenen Profi zumindest eine Herausforderung. Wer da noch mithalten will, der muss am Puls der Zeit bleiben. Fortbildungen und Schulungen gehören ebenso dazu wie das eigene Interesse und eine gehörige Portion Neugierde.
Kaum ein Außenstehender versteht, das der „allmächtige Diagnosetester“ nicht sofort ausspuckt was dem Auto eigentlich fehlt. Er gibt Hinweise die verstanden werden wollen. Oft ist es ein Puzzle, dass es zusammenzusetzen gilt.
Da braucht es dann bei der Arbeit gute Nerven, viel Gelassenheit und umfassende Systemkenntnisse.

Was ist mit der Kfz-Werkstatt? Wo ist da der goldene Boden?
Wie steht es um die Wertschätzung des Mechatronikers als Produktivkraft im Autohaus?

Miserabel und beschissen? Nahe dran!
Der Kfz-Mechatroniker – eingekeilt zwischen Herstellervorgaben und Autohausregeln, zwischen engen Vorgabezeiten und fehlenden Spezialwerkzeugen.
Improvisieren kostet halt Zeit, Fehlersuche auch. Leider hat der Mechatroniker keine überschüssige Zeit. Im Gegenteil, Ihm wird in schöner Regelmäßigkeit der Zettel mit seinem Leistungsgrad unter die Nase gehalten. Oft begleitet von der Frage nach dem Grund für seine “schlechte Leistungsbilanz” und dem Hinweis darauf, das man sich das nicht mehr lange leisten könne.

Quantität über Qualität..?

Warum wird in der Werkstatt so exzessziv gespart? Warum werden benötigte Werkzeuge einfach nicht bestellt? Warum werden die Mechatroniker so ‚kurz gehalten‘?

Im Sales geht es doch schließlich auch. Da wird Werbematerial bestellt, hier ein Pappaufsteller und da ein paar Aufkleber. Anzeigen werden geschaltet und Kundenevents veranstaltet. Ausstellungs- und Vorführwagen werden ebenso vorgehalten wie eine stattliche Anzahl an Verkäufern. Die letztgenannten werden hofiert indem sie Fahrzeuge zur Nutzung gestellt bekommen und Prämien für jeden Abschluss erhalten.

Es sei ihnen gegönnt. Die Frage die sich jedoch unweigerlich aufdrängt lautet:
Bekommen die Mechatroniker ebenfalls eine Prämie für jedes instandgesetzte Auto? Natürlich nicht. Oftmals werden in der Werkstatt Beanstandungen an Fahrzeugmodellen gesucht die der Mechatroniker bisher nichtmal fahren durfte. Er weiß oft gar nicht wie sich das Auto normalerweise in der vom Kunden beanstandeten Situation verhält bzw. verhalten sollte.
Verkehrte Welt denken Sie? Leider oft genug Realität.

Wenn der potentielle neue Kunde das Autohaus betritt, dann hat er sich in aller Regel bereits im Vorfeld über die verfügbaren Modelle, Preise und Ausstattungen informiert. Meist möchte er lediglich nochmals in seiner Wahl bestärkt werden – und natürlich passende Konditionen bei Kauf des Fahrzeugs erhalten.

Das zweite Fahrzeug verkauft der After Sales

Vielleicht wird es den Verantwortlichen irgendwann einmal klar, dass die Werkstatt einen erheblichen Anteil an der Kundenzufriedenheit und dem Neuwagenverkauf hat.
Nicht umsonst sagt man das, dass zweite Auto des Kunden über die Werkstatt verkauft wird. Nur dann, wenn der Kunde ohne Ausfälle von Service zu Service fahren konnte ist er zufrieden mit der Marke und dem Autohaus. Sollte er zwischendrin doch einmal eine Beanstandung haben und ihm wird kompetent und schnell geholfen, dann ist der Kunde ebenfalls zufrieden.

Diese Zufriedenheit kann der Verkäufer nicht auf Dauer herstellen. Auch der leckerste Kaffee und der tollste Ausstellungsraum können an der Stelle die Zufriedenheit des Kunden nicht erhalten. Sobald es um die Technik am Auto geht, kann nur der Profi helfen. Genau dieser Profi kann den Kunden wieder zufrieden machen wenn ihm der Raum und die Möglichkeiten dazu gegeben werden.
Wann wird den Werkstattmitarbeitern wohl die Aufmerksamkeit und Anerkennung zuteil werden die sie tatsächlich verdienen?
Wann wird das Wissen und die Leistung angemessen entlohnt werden?
Ich hoffe bald!

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